Als angestellter Arzt hat man in der Regel über die Berufs-/Betriebshaftpflicht des Arbeitgebers (Krankenhaus, Rehaklinik oder ähnliches) Versicherungsschutz. Denkt man zumindest. Doch es gibt nicht umsonst ein dickes BGB, wenn alles so einfach wäre.

Pfuscht der Arzt nämlich absichtlich oder unabsichtlich während einer Behandlung, so kann der Patient auch direkt auf den Arzt zu gehen und Schadenersatz fordern. Deliktische Haftung nennt sich das Fremdwort und bedeutet kurz, knapp und umgangssprachlich: Für den Mist, den ich verzapfe, hafte ich in vollem Umfang. Bei einem Diagnose- oder Behandlungsfehler kann der angestellte Arzt auf seinen Arbeitgeber zugehen und diesen auf die möglichen Schadenersatzforderungen hinweisen. Der Haftpflichtversicherer des Krankenhauses übernimmt dann nach einer Prüfung des Falls sowohl Schadenzahlungen, als auch die eventuelle Abwehr des Schadens. Letztere ist übrigens als eine passive Rechtsschutzversicherung zu sehen – „Unser Kunde ist unschuldig, wir übernehmen Gerichts- und Anwaltskosten zur Abwehr des Schadens“. Tolle Sache und nützt in der Praxis ungemein!

Zurück zum Haftpflichtversicherer des Krankenhauses. Nehmen wir doch mal an, das Krankenhaus hat wegen Geldmangel die Versicherungsprämie nicht gezahlt. Oder schlimmer: Steht kurz vor oder bereits in der Insolvenz. Dann verweigert der Versicherer natürlich auch die Leistung.  Quo Vadis, lieber Arzt im Angestelltenverhältnis? Die normale Privathaftpflicht oder die Rechtsschutzversicherung sind hier nicht zuständig!

Auch mögliche Leistungsverweigerungen („Wir zahlen nicht, einfach nur weil wir es eben können“) können ein Grund sein, warum ein angestellter Arzt keine Hilfe vom Arbeitgeber oder dessen Versicherer erwarten kann. Praxisbeispiel: Verkehrsunfall im Urlaub. Der Arzt leistet umgehend Erste Hilfe. Es kommt zu einem Luftröhrenschnitt um das Leben eines Unfallopfers zu retten. Der Arzt hat dies gelernt und eine medizinische Ausbildung hierzu genossen. Er ist verpflichtet, über das normale Maß Erste Hilfe zu leisten. Leider ging der Schnitt daneben und der Patient erlitt dauerhafte Hirnschäden.
Daraufhin verklagt er den Arzt auf Schmerzengeld und Rentenzahlungen. Der Haftpflichtversicherer des Krankenhauses verweigert die Leistungen, da der Schaden ausserhalb der Arbeitszeit und privat passiert ist.

Aus dem Grund ist eine einfache Berufshaftpflicht für Ärzte ein Muss. Sie übernimmt die Pflichten der Betriebshaftpflicht des Krankenhauses und schützt vor finanziellen Risiken. Kostenpunkt: Inkl. Privathaftpflicht für einen Facharzt zwischen 90 und 160€ im Jahr.

Übrigens: Nicht nur direkte Schadenersatzansprüche des Geschädigten (z.B. Schmerzensgeld für schlecht genähte Wunden) können hier fällig werden. Die größte Gefahr geht u.a. von Regressforderungen der Berufsgenossenschaften und Rentenkassen aus. Diese fordern konkret die gezahlten Leistungen für Behandlungskosten, monatliche Rentenzahlungen (bis zum bitteren Ende im hohen Alter!) oder Krankengeld. Diese Summen bewegen sich schnell im hohen fünfstelligen Bereich und steigern sich im schlechtesten Fall bis in Millionenhöhe.

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